Geschichten vom Schilderförster: Das vergängliche Idol

Lustig. Ein Tag, nachdem ich die Geschichte vom Sandmännchen gelesen habe, durfte ich meinerseits, nach etwas längerer Zeit, einmal wieder erfahren, wie unverbraucht und rein das Wort cool klingen kann, vorausgesetzt, es kommt aus den Mündern drei- oder vierjähriger Kinder. Ich meine – zum Beispiel – wenn ich cool sage, dann tue ich das ganz automatisch, wie aus dem Gewehr ohne lange abzuwägen, ob es den Punkt trifft oder in den Kontext passt. Es ist eins von diesen raren Wörtern, mit denen ich so unbeschwert umgehe, als – aber ich schwafele, oder?
Was ich eigentlich sagen wollte ist: sobald ich cool sage, habe ich immer sofort das Gefühl, etwas aus der Zeit gefallen zu sein. Ich bilde mir ein, mein Gegenüber denkt jetzt bestimmt gerade, „Boah, hat der ‘nen Slang, gegen den ist Kafka ja ‘n Rapper!“. Und ich geb’ euch sogar irgendwie recht. Cool ist in etwa so fesch wie’n Pril-Aufkleber am Schrank über der Spüle!

Ich habe direkt all ihre Aufmerksamkeit, als ich meine erste Fußplatte an der Eppendorfer Landstraße auf den gefrorenen Sandstreifen werfe. Cool, oh guck mal, was macht der denn da, cool, stark (und stark ist auch cool!). Fünf Fraggles drängen aus dem Vorgarten auf den Gehweg und jedes will zuerst sehen, was da los ist. Ich lass den nächsten Schilderfuß fallen und murmle „Cool, aber laut…“ und suche den Blick der Betreuerin, die inzwischen die Kinder vor sich herschiebt, weil sie eine Aufgabe und ein vollkommen anderes Zeitverständnis als die ihr Anvertrauten hat, welche mit Telleraugen und offenen Mündern der großen Kunst des Schilderstellens huldigen. Sie findet mich ÜBERHAUPT NICHT beachtenswert! Das will ich ihr gar nicht verübeln, denke aber, den Kindern zu liebe wäre ein wenig Interaktion zwischen uns doch sicher ganz nett. So nach dem Motto, „Wow, die Nanny kennt den Bauarbeitergott!“, aber das ist leider nicht so ihr Ding. Bleibt also nur das Staunen der Kinder mit den sich zu Korkenziehern verwindenden Hälsen, je weiter sie fort geschoben werden „Coool!“. Langsam schluckt der frostige Wind ihre Stimmen. Ich blicke ihnen nach und sage leise, „Ja ja, wenn ihr schön brav seid und in der Schule nie richtig aufpasst und gegen alle Widerstände so lange Kinder bleibt, wie ihr möchtet, werdet ihr auch irgendwann SO toll sein wie ich!“. Cool, oder?
N.